kneule's wiking standards project

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Trecker Typ 1 und Typ 2:

     ...   Warnung vor Nachgüssen





Traurig, aber wahr: Alle Modelle auf dem Bild oben sind Fälschungen. Nachdem auf dieser Web-Seite bereits Plagiate von sehr frühen Modellen wie Matador-Drahtachsern, Figurengruppen und Kutschern beschrieben wurden, sind nun in größerer Anzahl Nachgüsse von frühen Traktoren aufgetaucht. An dieser Stelle soll wiederum das Bewusstsein geschärft werden, dass nicht alles, was skurril ist, auch echt sein muss, und es sollen Unterscheidungsmerkmale zu alten Originalen herausgearbeitet werden.




Vorgeschichte:

Im Rahmen einer Sammlungs-Einlieferung in das Kölner Auktionshaus Saure für WIKING-Modelle sind bei einer großen Traktoren-Sammlung neben zahlreichen originalen WIKING Drahtachser-Traktoren auch rund 85 Wiking-Plagiate dabei gewesen.

Ganz offensichtlich handelt es sich um Nachgüsse, die nicht als solche gekennzeichnet sind. Sie stammen aus dem Nachlass eines Sammlers, der sie wohl aus fremder Hand erworben hat, wahrscheinlich in Unkenntnis der Nicht-Originalität. Leider hat der Sohn des verstorbenen Sammlers keine Informationen über die Herkunft dieser Modelle. Dass sein Vater sie selbst hergestellt habe, schließt er aber aus ("zwei linke Hände").

Exemplarisch soll hier ein Teil dieser Plagiate vorgestellt und beschrieben werden.


Objekte:

Betroffen ist zum einen der Trecker Typ 1. Dieses Modell gibt es in 3 Varianten. Hier gibt es unterschiedliche Versionen des Rückens des Maschinenführers: gerade (früh) und gerundet (spät), und verschiedene Versionen des Zughakens, der zunächst aus Draht bestand, der heiß in den Kunststoff eingelassen wurde, und später als Teil der Form in Kunststoff ausgeprägt war (integriert).

Die vorliegenden Plagiate bei dem Drahtachser-Trecker entsprechen den Varianten nach dem Handbuch von Herrn Saure 488/2 (Rücken gerundet, Zughaken Draht) und 488/3 (Rücken gerundet, Zughaken integriert).

Zum anderen liegen Plagiate des Treckers Typ 2 vor - nach dem Handbuch von Herrn Saure 489 (nach dem Gelben Katalog "Trecker breite Haube"). Die Karosserie dieses Modells besteht aus drei Teilen: dem Rumpf mit Motor, Lenkrad, Chassis und Achshalterungen, dem Bauteil mit den großen Kotflügeln und dem Schornstein. Nachgemacht wurde bei diesem Modell nur der Rumpf und der Schornstein. Die Kotflügel, Räder und Achsen sowie der Fahrer (bis auf eine Ausnahme) stammen von originalen Modellen.




Die Modelle im einzelnen:

Die hier vorliegenden plagiatierten Modelle sollen in der Folge bildmäßig dargestellt werden. Sie lassen sich in 4 Gruppen einteilen, die auf 4 kopierte Originale zurückzuführen sind. Ein Klick auf das Bild in der Liste führt einer Großdarstellunges des Bildes.


(1) Trecker Typ 1 Rücken gerundet, Zuhaken Draht, Radstand kurz


Von der Unterseite lassen sich die 4 verschiedenen Plagiat-Gruppen am besten differenzieren. Der erste vorgestellte Typ hat einen eher kurzen Radstand. Die Hinterachse ist auf der Aufnahmefläche recht mittig positioniert. Alle folgenden Modelle stammen aus einer Kopierform. Die Radstände bei diesen Modellen sind alle in etwa gleich und es zeigt sich bei der Hinterachsaufnahme eine Art Kreuzstruktur. Bei manchen Modellen wurden die Achsaufnahmen übergeschliffen.

Worauf später noch eingegangen wird: Fälschungs-immanente Luftblasen.

Bild groß:

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. creme, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) helles rotbraun, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) dunkles leuchtviolett, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) blassbraun, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) mattes helles cremewei├č, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. dunkelbasaltgrau, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) rot, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) rot, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. beige, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. blasses senfgelb, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) schwarz, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. helladriablau, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) mattes weinrot, ZH Draht


(2) Trecker Typ 1 Rücken gerundet, Zuhaken Draht, Radstand lang


Der nächste vorgestellte Typ hat einen eher langen Radstand. Die Hinterachse ist auf der Aufnahmefläche recht weit nach hinten positioniert. Alle folgenden Modelle stammen aus einer Kopierform. Die Radstände bei diesen Modellen sind alle in etwa gleich. Bei manchen Modellen wurden die Achsaufnahmen übergeschliffen. Diese Merkmale finden sich bei allen Kopien aus dieser Form.

In der Großdarstellung sind wiederum die Luftblasen gut zu sehen.

Bild groß:

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. creme, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) dunkles olivgr├╝n, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. creme mit blauen Einschl├╝ssen, ZH Draht

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. zinkgelb, ZH Draht


(3) Trecker Typ 1 Rücken gerundet, Zuhaken integriert


Die dritte Gruppe stellt Plagiate des Drahtachser-Treckers mit integriertem Zughaken dar. Alle diese Modelle stammen aus einer Abformung eines Originals. Die Defizite dieser Abformung finden sich bei allen Kopien aus dieser Form. Markant sind besonders eine Materialblase über der Hinterachse auf der Fahrerseite und eine merkwürdige Unregelmäßigkeit mittig an der Karosserie hinter der Vorderachse.



Bild groß:

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. helladriablau, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. platingrau, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. orangegelb, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. cremewei├č, rot meliert, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) dunkles schilfgr├╝n, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. dunkelgr├╝n, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. creme, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. dunkelbasaltgrau, ZH integriert

Trecker, feste Achsen FAKE (!) ca. helles azurblau, ZH integriert


(4) Trecker Typ 2


Dies sind beispielhaft drei Plagiate des Treckers Typ 2. Bei diesem Modell ist nur die Karosserie und der Kamin kopiert. Das Kotflügelelement wurde von originalen Modellen übernommen. Beim Bildbeispiel zeigen sich bei genauer Betrachtung "Kleberseen" an der Unterseite des Kotflügelelements, die zur Kaschierung gelöster alter Klebeverbindungen dienen.



Bild groß:

Trecker, breite Haube FAKE (!), Korpus dunkelultramarin, Kotfl├╝gel basaltgrau

Trecker, breite Haube FAKE (!), Korpus silbern, Kotfl├╝gel gr├╝n

Trecker, breite Haube FAKE (!), Korpus dunkles leuchtviolett, Kotfl├╝gel platingrau


Originale ./. Plagiate

Allgemeine Bemerkungen zu Nachgüssen

Grundsätzliche Hinweise zu Nachgüssen sind bereits auf dieser HP in einer Veröffentlichung zu Kopien von u.a. einer Figurengruppe notiert. Bei den alten Originalen wurden innen polierte Formen aus Metall benutzt - anfangs aus Messing und später aus Stahl. In diese Formen wurde durch Erhitzen verflüssigtes thermoplastisches Kunststoffmaterial mit Hochdruck eingespritzt. Die Schmelze kühlt dann in der Form ab und erstarrt bei Erreichen des Gefrierpunktes (weitere Informationen zum Spritzgießen findet man bei Wikipedia). Die Herstellung der Metallformen macht beim Spritzgussverfahren den größten Aufwand aus.

 

Einen solchen Aufwand kann man am Küchentisch nicht leisten. Für Nachgüsse bieten sich allerdings einfache Verfahren an, die z.B. jeder der 65.000 Zahntechniker in Deutschland beherrscht - es handelt sich nicht um eine Geheimwissenschaft. Das zu kopierende Objekt wird zur Hälfte in einer sogenannten Küvette in ein Abformmaterial eingelassen. Nachdem das erste Material ausgehärtet ist, wird die andere Hälfte mit dem Abformmaterial beschickt. Nach Aushärten auch dieses Teils kann das Original aus der so entstandenen Form entnommen werden. Der so geschaffene Hohlraum kann nun mit einem zunächst flüssigen selbsthärtenden Kunststoffmaterial (z.B. Acrylat) ausgegossen werden.

Im Bild rechts ist eine solche Küvette aus Messing gezeigt. Die Hälften können präzise zusammengesetzt werden. (Nebenbei gibt es noch ein paar Figurenplagiate zu sehen.)


Bei diesem Kopierverfahren treten systemimmanent folgende Probleme auf:

  • tritt das Abformmaterial nicht überall 100%ig an das abzuformende Objekt heran (Bildung von Luftblasen bei der Abformung), so entstehen bei Ausgießen positive Materialblasen - bei mehrfachem Ausgießen haben alle Kopien die gleichen Auffälligkeiten
  • beim Anmischen des Kunststoffs aus einer flüssigen Komponente (Monomer) und einer pulvrigen Komponente (Polymer) besteht die Gefahr, dass kleine Luftblasen im Material entstehen
  • die Materialoberfläche kann nicht so auf Hochglanz poliert erscheinen, wie wenn das Thermoplast in die auf Hochglanz polierte Form gespritzt wird



Auffälligkeiten der Plagiate

Materialdefizite (Luftblasen) und Materialüberschüsse (Materialblasen)

Oben genannte systemimmantente Auffälligkeiten sind immer schlagende und entlarvende Knock-out-Unterscheidungsmerksmale zu den alten Originalen. Um sie erkennen zu können, muss man sich den Objekten allerdings schon mit einer recht starken Vergrößerung nähern.


Bei dem rechts abgebildeten Modell handelt es sich um ein altes Original. Auffällig ist die homogene Oberflächenstruktur des Kunststoffes. Dies betrifft sowohl den Aufbau als auch die Räder. Die Räder sind schön rund, die Bohrungen für die Achsen sind kreisrund, zentral und kaum größer als die Achsen.

All dies kann man sehr schön sehen, wenn man sich das Bild rechts und auch die folgenden in der maximalen Vergrößerung ansieht.

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Das Modell rechts hat im Aufbau eine recht homogene Oberflächenstruktur des Kunststoffes. Die Räder weisen deutliche Luftblasen auf. Die Bohrungen für die Räder wirken ausgefranst und sind primär nicht mittig. Insbesondere die Vorderräder sind nicht kreisrund.

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Hier ein Modell, bei dem sich in großer Vergrößerung überall kleine Luftblasen im Kunststoff zeigen. Dies betrifft sowohl den Aufbau, als auch die Räder. Bei den Rädern sind die Bohrungen für die Achsen skurril viel größer als Achsen selbst. Im übrigen sind diese Bohrungen seltsam ausgefranst.

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Ebenso ein Modell, bei dem sich in großer Vergrößerung überall kleine Luftblasen im Kunststoff zeigen. Dies betrifft sowohl den Aufbau, als auch die Räder. Gegenüber dem Modell eins höher sind die Blasen jedoch zumeist noch im Kunststoff geschlossen und nicht nach außen offen. Bei den Rädern sind die Bohrungen für die Achsen deutlich größer als Achsen selbst. Im übrigen sind diese Bohrungen seltsam ausgefranst.

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Unbekannte Farben

Sicher faszinierend ist die Farbenpalette der vorliegenden Objekte. Denkbar sind natürlich bis dato unbekannte Farben, jedoch sollte man bei Farbexoten - zumal der Räder - kritisch sein.


Ein Modell in aufregender Farbe: Melierte Modelle sind gerne gesehen. Bei sehr genauer Betrachtung zeigt sich: Neben oben beschriebenen - auch hier sehr deutlichen - Luftblasen zeigt sich eine für Melierungen ungewohnte Struktur. Besonders auf dem dem Fahrer zugewandten Teil der Motorhaube gibt es punktförmige blaue Einschlüsse, die weniger durch das Fließverhalten eines thermoplastischen Kunststoffes beim Einschießen in eine metallische Form unter Hochdruck zu erklären sind, sondern eher durch Eintupfen mittels eines Pinsels.

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Achsen

Bei allen vorliegenden Drahtachser-Plagiaten, bis auf einen, sind die Achsen nur 0,7 mm stark, anstatt 0,8 mm wie beim Original. Es wurde hier ein bleitoter schwarzer Draht benutzt, der gegenüber leichtem Anbiegen keinen Widerstand leistet und in der hingebogenen Position verbleibt. Die originalen Achsen sind silber. Sowohl bei dem Original als auch beim Plagiat sind die Achsen ferromagnetisch. Dies stellt also kein Unterscheidungsmerkmal dar. Bei einem Modell wurde ein nicht ferromagnetischer Draht als Zuhaken eingesetzt (wahrscheinlich Messing). Bei den Plagiaten des Treckers Typ 2 wurden originale Räder und Achsen benutzt.


Beim Modell rechts handelt es sich um ein Original. Achsen silber, 0,8 mm. Der Kunststoff erscheint homogen ohne Luftblasen.

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Das Modell rechts hat die typischen Luftblasen am Rumpf und auch an den Rädern. Die Achsen wirken hier in ca. Messing-Anmutung und sind bei genauer Betrachtung als etwas dünner auszumachen (0,7 mm). Dieses Modell zeigt eine Besonderheit aller hier gesichteten Plagiate zum Typ/3 (Zughaken integriert) auf. Bei all diesen Nachgüssen gibt es eine Materialblase über der Hinterachsaufnahme in Fahrtrichtung nach links über der Achse (entstanden durch defizitäre Abformung). Diese Materialblase wiederum trägt eine Luftblase in sich. Dieses Merkmal haben alle vorliegenden /3 Plagiate, bei einigen ist die Materialblase jedoch weggeschnitzt. Ein weiterer Aspekt ergibt sich aus dieser Blase: Die Achsen können nicht heiß eingelassen sein, sonst wäre diese Blase verschmolzen.

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Das Modell rechts ist im Prinzip so wie das Modell vorab. Es hat auch die typischen Mikro-Porösitäten am Rumpf und auch an den Rädern. Die Achsen sind schwarz; 0,7 mm. Auch hier gibt es die Materialblase über der Hinterachsaufnahme in Fahrtrichtung links über der Achse (entstanden durch defizitäre Abformung). Diese Materialblase wiederum trägt auch hier eine Luftblase in sich.

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Hier ein Plagiat des Treckers Typ 2 von unten. Es zeigen sich wiederum zahlreiche Luftblasen. Die Räder und die Achsen wurden von einem Original umgesteckt.

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Unwucht der Räder

Bei vielen vorliegenden Drahtachser-Plagiaten sind auch die Räder Plagiate. Dabei stellt sich die gar nicht so einfach zu lösende Aufgabe, die Zentralbohrung für die Achsen rotationssymmetrisch zentral einzubringen, da eine Abformung der maximal 0,9 mm starken Aufnahme für die Achsen zum Scheitern verurteilt ist. Und wie zu erwarten, ist der Lauf der Räder beim Schieben deutlich suboptimal und weit von der damaligen Präzision entfernt: Die Räder laufen mit einer deutlichen Unwucht zum Missempfinden des Bauern, der beim Fahren heftig auf seinem Sitz auf und ab hüpfen wird. Bei den Plagiaten des Treckers Typ 2 wurden originale Räder und Achsen benutzt - das Problem tritt hier nicht auf.

Weiterhin birgt das Einbringen einer gewünscht zentralen Bohrung bei Verwendung einer geringeren Achsstärke (> -10%) das Problem, dass die Räder "eiern", d.h. die Räder haben extrem viel Spiel auf der Achse und schlagen quer zur Fahrtrichtung teilweise stark aus. So etwas gibt es bei den Originalen überhaupt nicht.


Das Modell rechts zeigt diese Problematik sehr pointiert am Vorderrad. Die Achsaufnahme ist alles andere als in der Mitte oder rotationssymmetrisch. Der Fokus der Betrachtung der Großdarstellung möge dort ansetzen. By the way gibt es hier wieder die Mikroporösitäten des Kunststoffes am Korpus und den Rädern. Zudem ist der Durchmesser der Achsen zu klein. Alles Fake!

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Geradeaus-Lauf

Wie durch den ehemaligen WIKING-Geschäftsführer Herrn Hinkelmann überliefert, wurden bei den Drahtacher-Modellen die Achsen mittels eines Lötklobens erhitzt und damit in den thermoplastischen Kunststoff eingelassen. Um die Position der Achsen und die Eindringtiefe der Achsen in den Kunststoff zu gewährleisten und zu standardisieren, arbeitete man mit Lehren, in die die unfertigen Modelle platziert wurden. Dies gewährleistet, dass Vorder- und Hinterachse parallel für den Geradeaus-Lauf eingebracht wurden und in gleicher Eindringtiefe für gleichmäßigen Bodenkontakt der Räder. Bei den alten Originalen ist sowohl der Geradeaus-Lauf als gleichmäßiger Bodenkontakt perfekt gewährleistet.

Der Fälscher hat nun das Problem, ein solche Lehre nicht zu besitzen und wird wohl willkürlich von der Seite Löcher für die Aufnahme der Achsen in die Rohlinge bohren. Das kann auch mal wörtlich schiefgehen: Einige Plagiat-Modelle weisen einen deutlich Links- oder Rechtsdrall auf.


Das Modell rechts zeigt, wie wenig die Räder in der Aufsicht ausgerichtet zu seien scheinen. Wie soll da was gerade laufen? By the way gibt es hier wieder die Mikroporösitäten des Kunststoffes am Korpus und bei den Rädern.

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Von vorne betrachtet zeigt sich das ganze Elend. Hier wieder besonders pointiert: Das kann kein WIKING-Modell "nicht" sein. Die Räder schlackern ohne Ende. Dies liegt zum einen daran, dass die Achsbohrungen zu groß sind und zudem nicht kreisrund und zentriert, zum anderen, dass die Achsen zu dünn sind. Weiterhin zeigen sich bei Großansicht wieder die Luftblasen im Kunststoff.

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Resistenz gegenüber chemischen Agenzien

Der im Original verwendete thermoplastische Kunststoff löst sich bekanntermaßen nach Beschickung mit Plastikkleber unwiderruflich an, und geht eine kaum lösbare Verbindung mit damit verklebten Teilen ein. Der Kunststoff ist also gegenüber den im Kleber befindlichen Lösungsmitteln nicht resistent. Die Trennung original verklebter Teile kann kaum ohne erhebliche Spuren erfolgen.

Zwecks Prüfung dieser Materialeigenschaft wurde auf den Kunststoff der Plagiate handelsüblicher Plastikklebstoff aufgebracht, um die Reaktion des dort verwendeten Kunststoffes zu überprüfen.


Das Bild rechts zeigt einen Plagiat-Traktor. Das Augenmerk sei auf die obere Fläche der Motorhaube in Fahrtrichtung links neben dem Aufpuff gelenkt. Die Fläche dort ist glatt.

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Nun wurde an die Stelle (obere Fläche der Motorhaube in Fahrtrichtung links vor dem Aufpuff) ein Tropfen Plastikkleber (FALLER Expert Plastikkleber 170492) appliziert. Der Tropfen wirkte ein paar Minuten ein.

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Anschließend konnte der Klebertropfen völlig rückstandslos einfach abgewischt werden, wie das Bild rechts dokumentiert.

Offenbar handelt es sich hier um ein essentielles differential- diagnostisches Phänomen: vermutlich entstammt der Kunststoff, der für die Plagiate verwendet wurde, einer komplett anderen chemischen Stoffgruppe, die hier konkret lösungsmittel-inert ist, vermutlich Acrylat.

Für den Sammler stellt sich hier die Problematik dar, dass eine zerstörungsfreie Materialprüfung nicht gewährleistet ist - die Originale würde man sich mit dem probeweisen Auftragen von Kleber schädigen.

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Ein Typ 2 - Trecker mit Fahrerplagiat

Eine kleine Überraschung bietet einer der Typ 2 - Trecker. Während hier zumeist ein Original-Fahrer das Gerät steuert, findet sich auf einem Exemplar ein Plagiat, das sehr genau dem nachgegossenen Kutscher entspricht, der HIER beschrieben wurde. Ein besonderes Merkmal: Die Naht läuft beim Plagiat mittig von vorne nach hinten, während beim Original die Naht quer verläuft. Am Kopf hinten gibt es die selbe Formen-Ungenauigkeit, Dish-Face, etc. Auch die Farbe stimmt genau überein. Diese Plagiate stammen höchstwahrscheinlich aus einer Hand.


Der Fahrer des Treckers Typ 2 entspricht grundsätzlich dem Kutscher mit Hut der Drahtachser-Fuhrwerke. Bei starker Vergrößerung zeigen sich Luftblasen in der Figur. Eine in Fahrtrichtung laufende mittige Naht wie hier hat bei dieser Figur nichts zu suchen. Die Karosserie des Treckers hat eine eigenartig matte Silber-Anmutung. Luftblasen sind kaum zu finden.

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Weitere, nicht zielführende Untersuchungsansätze


Fluoreszenz:
Im UV-Licht verhalten sich Originale und Plagiate gleich.

Resistenz gegenüber mechanischen Belastungen:
Stahlwerkzeuge dringen bei den Plagiaten bei Druck nicht tiefer in die Materialoberfläche als bei den Originalen ein. Dies ist kein Unterscheidungsmerkmal.

Resistenz gegenüber thermischen Belastungen:
Auch bei den Plagiaten schmilzt sich ein glühender Draht in den Kunststoff ein - wie bei den Originalen. Dies ist auch kein Unterscheidungsmerkmal.

Spezifisches Gewicht (Wichte):

Das Gewicht der Plagiate hat ebenso wie das der Originale eine gewisse Bandbreite. Darüber lässt sich jedoch kein grund- sätzliches Unterscheidungsmerkmal herleiten. Alle Originale gehen im Wasserbad unter, viele Plagiate auch. Einige Plagiate schwimmen allerdings im Wasser oben auf. Vermutlich sind alle Modelle, die schwimmen Plagiate; aber nicht alle, die untergehen Originale.

Im Bild rechts: Das Plagiat Gelb schwimmt, das Plagiat Orange nicht.

 

Hinweis zur Diagnostik

Nicht jeder wird mit seinem Handy so hochauflösende Fotos machen können, wie oben zu sehen. Als recht einfache Hilfe kann man sich eines kleinen Taschenmikroskops der 20-Euro-Klasse bedienen (z.B: dem Carson Pocket Micro Extrem leistungs- starkes Taschenmikroskop in der Vergrößerung 20x - 60x mit LED-Beleuchtung und asphärisch geschliffenen Linsen für den Einsatz direkt vor Ort). Etwas gewöhnungbedürftig ist die für Mikroskope typisch seitenverkehrte Darstellung.



Fazit

Wiederum muss sich der gequälte Sammler mit der Frage auseinandersetzen, ob er bei seinen Schätzen im Sammlungsgewölbe nicht von kriminellen Subjekten mit Fälschungen betrogen wurde. Das ist mehr als bedauerlich und schadet dem Sammlermarkt, dem schon lange der Nachwuchs fehlt. Jedes Objekt der Begierde mikroskopisch untersuchen zu müssen und letztlich doch nicht ganz sicher zu sein, trübt die Freude am Hobby ungemein.

Von Kopien im Drahtachserbereich war in Gesprächen in Sammlerkreisen gelegentlich zu hören. Auf dieser HP wurden bereits Fälschungen des Tempo Matador, eines Kutschers und einer Figurengruppe vorgestellt. Von Traktoren, und z.B. auch vom MB Diesel, war auch gelegentlich die Rede. Die Qualität der hier vorliegenden Plagiate ist zwar erschreckend gut, und mit bloßem Auge bei wohlwollendem und begierigem Sammlerblick ist es kaum auszumachen, dass es sich um Fälschungen handelt.

Die Sonne bringt es letztlich an den Tag: Mit viel Licht und mit sehr großer Vergrößerung erscheinen die Luftblasen dann stümperhaft, die schlackernden Räder, das mangelnde Rollvermögen, die falschen Achsen: DAS kann nicht WIKING sein.

Der Sammler muss also weiterhin sehr gut aufpassen und sehr genau hinschauen - auch bei den sehr alten Modellen, oder gerade dort, da die Herstellung von Kopien hier noch am einfachsten ist.

Alle Objekte, die wertvoll sind, unterliegen der Gefahr gefälscht zu werden. Beim Stichwort "Kunstfälschungen" kann man bei Wikipedia lesen, dass Experten davon aus [gehen], dass 40 bis 60 % der im Kunsthandel angebotenen Werke gefälscht sein könnten. Das zum Troste: Soweit ist es bei WIKING (noch) nicht. Herrn Saure sei es gedankt, mit den hier beschriebenen Plagiaten auf diesem Wege die Öffentlichkeit zu suchen, und die Objekte dem Autor zur Verfügung gestellt zu haben. Wie man letztlich mit den Plagiaten umgehen soll, bleibt zu diskutieren. Eine Option wäre es, z.B. die Plagiate durch eine Bohrung als wertlos zu gestalten oder sie in sichere Hände zu geben - z.B. in das Museum von Herrn Schneider Modellautomuseum Bernau. Unglücklich wäre es, wenn die Fälschungen unerkannt wieder als vermeindliche Originale in unwissende Sammlerhände abtauchen würden. Das bleibt allerdings dem Eigentümer vorbehalten, da Fälschergut aus dem Bereich der WIKING-Autos, anders als bei gefälschten Banknoten oder Briefmarken etc., nicht staatlicherseits konfisziert wird.

Als Fazit bleibt: Traurig, aber wahr - immer wieder gibt es Fälschungen. Aber letztlich: DIE perfekte Fälschung von einem WIKING-Modell gibt es nicht. Wir kriegen Euch alle!



kneule, 30.05.2021



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