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Kutscher und Figurengruppe B:

     ...   Warnung vor Nachgüssen


Objekte:

Drahtachser-Fuhrwerk mit Kutscher mit Hut und Personengruppe in einem hellen gelbelfenbein



Vorgeschichte:

Der Autor erwarb in der elektronischen Bucht bei einem gewerblichen Anbieter zunächst eine Figurengruppe Typ B ohne Hund in einem hellen gelbelfenbein. Bei einem am gleichen Tag vom gleichen Verkäufer angebotetem Drahtachser-Fuhrwerk mit einem Kutscher in eben dieser Farbe blieb der Autor Zweitbieter. Nach Erhalt der Figurengruppe beschlich den Autor das bekannte ungute Bauchgefühl. Nach oberflächlicher Betrachtung wurden die Figuren dann jedoch in die Sammlung eingereiht. Nach kurzer Zeit kam ein Angebot an unterlegene Bieter für das Fuhrwerk, und der Autor nahm an.


Beschreibung der Modelle:

Beim Fuhrwerk war zunächst eine gelöste Klebefläche zwischen Sitzfläche und Kutscher auffällig. Die Betrachtung mit der Lupe und der Vergleich mit anderen Kutschern ergab zahlreiche Form-Unterschiede. Daraufhin wurde auch die Figurengruppe detailiiert untersucht. Im Ergebnis zeigte sich, das es sich sowohl beim Kutscher als auch bei der Figurengruppe und Nachgüsse handelt.




Kutscher

Auf den ersten Blick auf das Modell als Ganzes fallen die Unterschiede beim Kutscher nicht gleich ins Auge. Grob betrachtet ist der Kutscher-Nachguss nicht so fein detailliert. Die unten beigefügten Bilder illustrieren die Unterschiede. Auffällig sind insbesondere:

  • Der Nachguß weist kleine Luftblasen (Lunker) auf, die Ausfluß-Imperfektionen des Kunststoffes in die Kopier-Form (aus Silikon?) darstellen (Beispiel: Hut von oben). Beim mit Hochdruck in Metallformen eingespritzen thermoplastischen Material ist das nicht möglich.

  • Anderherum zeigt der Nachguß auch Gussperlen auf, die durch Abdruck-Imperfektionen hervorgerufen werden. Hier ist die Abformmasse nicht blasenfrei an das abzuformende Objekt gelangt. In diese Luftblasen wiederum füllt sich beim Ausgießen der Form Kunststoff (Beispiel: Fußbereich unten Mitte).

  • Offenbar erfolgte der Nachguss in einer 2-teilgen Form, die in Sagittal-Achse des Kutschers getrennt war (links-rechts-Achse). Somit findet sich in dieser Ebene auch eine Gussnaht, die das Original nicht aufweist (dort Gussnaht in der Transversal-Ebene).

  • Die schönen feinen Konturen des Kutscher verwaschen bei der Kopie. Die markante Hutkrempe fällt zurück, Die Gesichtzüge verschwimmen. Das kopierte Opfer leidet unter einem "Dish face" (wahrscheinlich dislozierte Mittelgesichtsfraktur).

  • Deutliche Schwellung des Nackenbereichs beim Fake.

  • Der nach oben aufgewölbte Hut des Originals (Typ etwa US Army Marines Military Drill Instructor Hut) ist beim Nachguss stark eingedellt.

  • Der normal etwas zurückspringende linke Fuß verliert sich beim Nachguss in einer eher amorphen Extremitätenmasse.


(Beim Klick auf das Link-Zeichen öffnet sich in neuem Fenster das Bild groß)


(ein) Original   Nachguß (des Kutschers) 

Original  

Nachguß 

Original  

Nachguß 

Original  

Nachguß 

Original  

Nachguß 

Original  

Nachguß 

Original  

Nachguß 




B-Figuren

Besonders bei diesen Figuren muss man schon sehr genau hinsehen, um sie als Nachgüsse zu entlarven. Im einzelnen:

  • Wie beim Kutscher erläutert, gibt es auch bei der Figurengruppe typische Nachguss-Phänomene wie Lunker und Gussperlen. Als Beispiel für Lunker kann man sich die Sockelarreale ansehen oder z. B. den Trenchcoat des linlen Herrn . Eine typische Gußperle zeigt sich an der Aktentasche des rechten Herrn .

  • Die Konturen wirken verwaschen. Auffällig ist dies besonders bei den Gesichtern.

  • Das typische glatte Oberflächenfinisch fehlt.

  • Bei der vorliegenden nachgegossenen Figurengruppe war zwar die Oberflächen-Kontiunität gewahrt, es gab jedoch bildlich nicht darstellbare Hohlräume durch Lufteinschlüsse im Korpus. Die über diesen Arealen sehr dünne Kunststoffschicht lief sich per Fingernagel eindrücken. So etwas ist bei Originalen undenkbar.


(Beim Klick auf das Link-Zeichen öffnet sich in neuem Fenster das Bild groß)


Original   Nachguß  




Fazit

Auch bei Modellen dieser Art muss mit Fälschungen gerechnet werden. Nach Aussage des gewerblichen Verkäufers hatte der Einlieferer diese Modelle in einem renommierten WIKING-Auktionshaus erworben. Neben Umbauten aus Originalteilen, Schwarzproduktionen, Säuremodellen, gefälschen Beschriftungen und gefälschten Originalkartons etc. muss sich der Sammler leider auch zunehmend mit Nachgüssen auseinandersetzen.

Für Nachgüsse eignen sich die sehr frühen Modelle priniziell gut, da der Laie in seinem Bastelkeller komplexe Spritztechnik mit Schiebern kaum realisieren kann. Teile wie hier, die keine untersichgehenden Areale aufweisen, können recht einfach z. B. mit Silikon abgeformt und dann z.B. mit Acyrlaten ausgegossen werden. Welcher Kunststoffklasse das hier verwendete Material zuzuorden war, wurde nicht ergründet. In typischer Weise würde eine heiße Nadel in den thermoplastischen Original-Kunststoff einsinken, während ein Acrylat darauf inert reagieren würde.

Pragmatisch bleibt uns Sammlern nur der Griff zur Lupe, um Spreu vom Weizen zu trennen.

Im Ausblick wird sich die Sache für den Sammler nicht vereinfachen, da heute wunderbare 3-D-Scanner zur Verfügung stehen, die nach Erfassung und eventueller viruteller Bearbeitung im Sinne des computer-aided design (CAD) Daten zu Verfügung stellen, mit Hilfe derer sich das Objekt der Begierde aus beliebigen Materialien herausfräsen oder drucken lassen kann.



kneule, 26.06.2016



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