kneule's wiking standards project

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+++ NEWS +++ 28.03.2013 +++ WIKING bringt Set mit VW Kombiwagen in ~lindgrün~/dunkelgrün als Reaktion auf die aufgedeckten Fälschungen (LINK)

+++ NEWS +++ 08.11.2014 +++ Das Landgericht München hat den Urheber unten entlarvter Fälschungen rechtskräftig auf Klage der Fa. WIKING wegen Markenrechtsverletzung dazu verurteilt, WIKING über seine Handlungen in diesem Fall Auskunft zu geben und seine Erträge offen zu legen, sämtliche noch in seinem Besitz befindlichen fraglichen Teile an WIKING zu übergeben sowie die Kosten des Verfahrens zu tragen und WIKING darüber hinaus entstandene Schäden zu ersetzen. Ferner wurde ihm untersagt, jedwede Modellfahrzeuge unter der Verwendung der Bezeichnung WIKING anzubieten, die nicht durch Wiking Modellbau in Verkehr gebracht wurden.

Kurzes pathologisches Gutachten


Vorgelegte Objekte:

2 VW T1 Kombiwagen (kleine Heckscheibe) ~lindgrün~/rosé und ~lindgrün~/rot

Vorgeschichte:

Da WIKING-Sammler oft themenorientiert vorgehen und die Marke VW für viele Sammler ein Kristallisationskern der Sammlung ist, gibt es einen besonderen Markt für seltene VW-Modelle. Hierbei steht bei vielen Sammlern der erste verglaste VW T1 als Kombiwagen oder als Kastenwagen im Fokus. Neben trivialen Farben und Farbkombinationen, die für 20 Euro den Besitzer wechseln, gibt es auch rare Farben, die Extrempreise erzielen. Eine herausragende Position nimmt der Kombiwagen mit der Farbe des Oberteils lindgrün ein. Ein Modell lindgrün/graugrün erzielte beispielsweise in einer Saalauktion für WIKING-Modelle im Oktober 2012 in Nürnberg einen Hammerpreis von 3.000 Euro.

Während in den vergangenen Jahren ein solches Modell allenfalls alle 2 Jahre öffentlich zum Verkauf angeboten wurde, sind diese Modelle mit lindgrünem Oberteil nun fast an der Tagesordnung. Dies lässt die Sammlerschaft aufhorchen und eine allgemeine Skepsis bezüglich der Frage entstehen, ob es sich wirklich hierbei um authentisch historische Modelle aus der Zeit der frühen sechziger Jahre handelt.

Im Folgenden soll untersucht werden, was es mit zwei solchen Modellen mit der Farbgebung des Oberteils lindgrün auf sich hat, welche im großen Internetauktionshaus am 03.02.2013 für 451,22 Euro (unten rot) bzw. am 22.02.2013 für 261,00 Euro (unten rosé) veräußert wurden.


Allgemeine Beschreibung des Modells VW T1 Kombiwagen (kleine Heckscheibe):

Den alten VW T1 Kombi gab es im WIKING-Programm lediglich von 1959 bis 1966 im WIKING-Programm. Er steht damit für den Anfang der Ära der verglasten Modelle.

Das Modell besteht aus drei Teilen: dem Oberteil, der Verglasung und dem Unterteil. Das Chassis ist Bestandteil des Unterteils. Es gibt keine besonderen Einsätze zur Achshalterung und auch keine Inneneinrichtung.




Das Oberteil wurde ebenso wie das Unterteil in recht vielen Farben produziert, so dass im Neuen Gelben Katalog 2003 48 verschiedene Farbkombinationen aufgeführt sind. In Handbuch der WIKING-Modelle von Herrn Saure finden sich 27 Kombinationen.

In einer umfänglichen Sammlung eines Sammlerfreundes finden sich für den Kombiwagen folgende Farben:

Oberteile:
  • rot, orangerot, blassrot (in Schattierungen), hellbraunrot (in Schattierungen), weinrot, braunrot, olivgrün, lindgrün, braunweiß (in Schattierungen), perlweiß (in Schattierungen), achatgrau, kieselgrau, silbergrau, steingrau, hellazurblau, diamantblau, mattgraublau, hellwässrigblau, papyrusweiß und gelb

    Unterteile:

  • rosé (in Schattierungen), rot, blassrot, orangerot, hellbraunrot (in Schattierungen), braunrot, weinrot, graugrün, schwarzgrün, blaugrün, tannengrün, braunweiß, perlweiß, hellcremeweiß cremeweiß, kieselgrau, staubgrau, steingrau, betongrau, hellgelbgrau, silbergrau (in Schattierungen), mattgraublau, diamantblau, hellazurblau, hellozeanblau, türkis, hellgrünbeige und gelb.


    Den alten VW Kombiwagen mit der kleinen Heckscheibe gab es auch als Feuerwehr-, Polizei- und Postmodell sowie als Krankenwagen. Auf diese Modelle soll hier nicht eingegangen werden.

    Einordnung in Katalogen:

    Im Handbuch von Herrn Saure wird das Modell unter der Nummer 323 mit der Bezeichnung VW T1 Bus (alt) geführt. Hier sind 15 verschiedene Oberteilfarben und noch etwas mehr Unterteilfarben notiert. Die Farbe lindgrün für das Oberteil findet sich unter der Ziffer 323/1I und trägt eine Wertangabe von 1500 Euro. Ein Modell lindgrün/rosé ist dort nicht vermerkt. Herr Saure gibt hier den Hinweis, dass weitere Farbkombinationen aus Resteverwertung oder Fehlproduktion bekannt seien, man jedoch auf Bastelspuren achten sollte, die sich auch durch Schäden in der Verglasung erkennen ließen. Für oben lindgrün ist notiert:

  • 323/1I - lindgrün/graugrün

    Als weitere Kombinationen mit rosé farbenem Unterteil sind beim Herrn Saure angegeben:
  • 323/1Q - kieselgrau/rosé
  • 323/1X - perlweiß/rosé

    Im Neuen Gelben Katalog 2003 von Herrn Wanner findet sich das Modell unter der Nummer 310/8 - VW Kombiwagen T1, kleine Heckscheibe. Für des Oberteil in lindgrün sind 2 Kombinationen notiert:
  • 310/8Q - lindgrün/rosé
  • 310/8R - lindgrün/graugrün

    Als weitere Kombinationen mit rosé farbenem Unterteil sind im GK 2003 angegeben:
  • 310/8m - weinrot/rosé
  • 310/8Zf - kieselgrau/rosé
  • 310/8Zm - perlweiß/rosé
  • 310/8Zr - papyrusweiß/rosé

    Ab dem Jahre 2010 gab es vom VW T1 Kombiwagen mit der kleinen Heckscheibe Neuauflagen. Diese Neuauflagen sind in den Katalogen nicht erfasst - sehr wohl jedoch in der WIKING Datenbank.
  • Postmuseumsshop (Edition Historica No. 13) Schmalbach gelb/gelb(2010)
  • Auktionshaus Saure lehmbraun/hellbeige (2012)
  • Postmuseumsshop (Wiking-Verkehrs-Modelle Themen-Set 1) orangerot/olivgrau (2012)
  • Steiff perlweiß/perlweiß (2012)
  • Porsche perlweiß/perlweiß (2013)

    Auch zwei Blaulichtmodelle sind bislang als Neuauflagen erschienen:
  • Postmuseumsshop (Bau der Berliner Mauer - Berliner Polizei 1961) stahlblau/stahlblau (2012) s. WIKING Datenbank
  • Postmuseumsshop (Wiking-Verkehrs-Modelle Themen-Set Feuerwehr 1) hellrot/hellrot (2012, 2013) s. WIKING Datenbank


    Beschreibung der Standardmodelle:

    Während in bisherigen Publikationen kaum auf Formunterschiede des VW T1 Kombiwagen mit der kleinen Heckscheibe eingegangen wurde, soll im Rahmen dieser Darstellung erstmals für spätere differentialdiagnostische Überlegungen dieses Modell sehr genau analysiert werden. Es wird sich zeigen, dass es 3 Unterteile, 4 Verglasungen und mehr als 3 Oberteile zu unterscheiden gilt. Dazu kommt, dass alle diese Teile jeweils aus einer Spritzform mit 2 Nestern entstammen, die jeweils mit den Ziffern 1 und 2 gekennzeichnet sind.

    a) Unterteil

    Die Modelle des VW T1 Kombiwagen mit der kleinen Heckscheibe besitzen ein einteiliges Unterteil - anders als das Nachfolgemodell mit der großen Heckscheibe: dort gab es dann ein separates Chassis. Im Neuen Gelben Katalog 2003 sind keine Untervarianten des Unterteils benannt. Herr Saure spricht davon, dass die Kardanwelle (Anmerkung: heckgetriebene VW-Fahrzeuge haben keine Kardanwelle) im Bereich der Achshalterungen anfangs dünn, später dick gestaltet sei. Der Autor hatte bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle auf einige Unterschiede hingewiesen.

    Die Benennung des Spritzteils 1 bzw. 2 befindet sich in Bereich des Bodens der Kabine.

    Nest 1

    Nest 2



    Die drei Varianten des Unterteils sollen im Folgenden chronologisch als Version A, B, C und D (Neuauflage) benannt werden. Ein typisches Merkmal der ersten Version sind die gering erhabenen Rückleuchten am Heck des Fahrzeugs. Ab Version B gibt es die stark erhabenen Rückleuchten.

    Unterteil Version A: Rückleuchten gering erhaben

    Unterteil Version B und C: Rückleuchten stark erhaben



    Die Chassis unterscheiden sich sowohl in den Versionen A, B, C und D als auch zusätzlich zwischen Nest 1 und Nest 2. Das Augenmerk richte sich hier besonders auf die Achshalterungen. Kurz vor Ende der Produktionszeit der alten Modelle wurde das Chassis noch einmal im Bereich der hinteren Achshalterungen geändert. Man findet diese Unterteile vornehmlich bei alten Krankenwagen, Polizeiautos oder bei den Post-Kastenwagen. Diese veränderten Achshalterungen gibt es dann auch bei der Wiederauflage.

    Unterteil Version A, Nest 1
    Rückleuchten gering erhaben, Rahmentunnel an den Achshalterungen schmal, Öffnung unter Achshalterung vorne: klein

    Unterteil Version A, Nest 2
    Rückleuchten gering erhaben, Rahmentunnel an den Achshalterungen schmal, Öffnung unter Achs halterung vorne: groß

    Unterteil Version B, Nest 1
    Rückleuchten stark erhaben, Rahmentunnel an den Achshalterungen breit, geringes Übergreifen der Ölwanne durch die Achshalterung. Kleine Unterschiede 1 ./. 2 am Rahmentunnel.

    Unterteil Version B, Nest 2
    Rückleuchten stark erhaben, Rahmentunnel an den Achshalterungen breit, geringes Übergreifen der Ölwanne durch die Achshalterung. Kleine Unterschiede 1 ./. 2 am Rahmentunnel.

    Unterteil Version C, Nest 1
    Rückleuchten stark erhaben, Rahmentunnel an den Achshalterungen breit, weites Übergreifen der Ölwanne durch die Achshalterung. Kleine Unterschiede 1 ./. 2 am Rahmentunnel.

    Unterteil Version C, Nest 2
    Rückleuchten stark erhaben, Rahmentunnel an den Achshalterungen breit, weites Übergreifen der Ölwanne durch die Achshalterung. Kleine Unterschiede 1 ./. 2 am Rahmentunnel.

    bisher nicht gesichtet: das Chassis Version D (Neuauflage) aus Nest 2

    Unterteil Version D (Neuauflage), Nest 1
    Wie Version C Nest 1, jedoch mit neuem WIKING-Logo

     



    Während die alten Versionen A, B und C vorne die Bodenprägungen Made in Germany und WM trugen, zeigen sich bei der Neuauflage das neue WIKING-Logo und das WM.

    Unterteil Version A, B und C: Bodenprägung Made in Germany

    Unterteil Version D: Bodenprägung neues WIKING-Logo



    Ein interessantes Detail findet sich innen auf dem hinteren Radkasten. Wahrscheinlich um die Montage des Modelles zu erleichtern, zeigt sich ab dem Formumbau zur Version B mit den stark erhabenen Rückleuchten ein kleiner gerundeter Steg, der vom Radkasten hochläuft und blind endet. Die gleichzeitig veränderte Verglasung (s.u.) ruht dann mit einer Stütznase auf eben diesem Steg.

    Unterteil Version A: ohne Steg zum Halten der Verglasung

    Unterteil Version B, C und D: mit Steg zum Halten der Verglasung




    Ein skurriles Detail des Unterteils zeigt sich im Laderaum hinter dem Fahrersitz. Hier gibt es 2 senkrecht zur Fahrtrichtung aufrecht stehende Stege. Zwischen ihnen läuft eine Vertiefung. Über den Sinn läßt sich nur spekulieren. Eventuell war hier eine Inneneinrichtung o.ä. vorgesehen. Genutzt wurde dieses Merkmal niemals.



    Zusammenfassend: Zunächst gab es die Version A mit kurzen Rückleuchten ohne Haltesteg für die Verglasung jeweils aus dem Nest 1 und 2. Dann wurde die Form umgebaut. Bei der daraus entstandenen Version B sind die Rückleuchten lang und es gibt den Steg innen auf dem hinteren Radkasten - wieder jeweils Nest 1 und 2. Zum Schluss wurde die hintere Achshalterung in beiden Nestern verändert (Version C). Für die Neuauflage wurde das neue WIKING-Logo angebracht. Die langen Rückleuchten und der Steg auf dem Radkasten blieben erhalten. Dem Autor lagen nur (5) Neuauflage-Modelle aus dem Nest 1 vor. Eventuell wurde das Nest 2 deaktiviert.

    Version A und B jeweils Nest 1 und 2


    b) Verglasung

    Zum Erscheinungszeitpunkt des verglasten VW Busses im Jahre 1959 war das Thema Verglasung noch ein zartes Pflänzchen. Das zeigt sich schon daran, dass im Erscheinungsjahr des Modells in der Bildpreisliste neben der neuen Nummer 31n für das verglaste Modell auch noch der unverglaste VW Bus mit der Nummer 31 abgebildet ist. So wundert es nicht, dass an der Verglasung in dieser Anfangszeit offensichtlich herumexperimentiert wurde und es in den 7 Produktionsjahren 3 verschiedene Verglasungen gab - ähnlich wie beim Büssing LU7.

    Wie bei den Unterteilen gab es in der Form für die Verglasung wieder 2 Nester, die mit den Ziffern 1 und 2 gekennzeichnet sind.

    Version A: charakteristisch für die erste Verglasung ist, dass der Mittelbereich frei ist. Bei den späteren Formen war die Mitte geschlossen und wurde dort mit dem Oberteil verklebt. Nach unten hat diese Verglasung zirkulär einen gleichmäßigen Abschluss - ohne Laschen. Bei den späteren Versionen gibt es hier Laschen.

    Verglasung Version A Nest 2: mittig offen Ansicht innen

    Verglasung Version A Nest 1: mittig offen Ansicht innen

    Verglasung Version A Nest 2: mittig offen Ansicht außen

    Verglasung Version A Nest 1: mittig offen Ansicht außen



    Version B: die 2. Version ist sehr selten. Hier wurde der Mittelbereich durch einen breiten Steg verschlossen, wobei vorne und hinten eine Öffnung verblieb. Nach vorne zeigen sich am Mittelsteg zwei Dorne, die ein durchgestecktes Blaulicht umgeben könnten. Zum Unterteil hin gibt es an den Seiten eine gleichmäßig glatte Lasche. Wegen inniger Verklebung ist die abgebildete Verglasung etwas lädiert. Außerdem kann mangels Masse nur die Nestnummer 1 gezeigt werden.

     

    Verglasung Version B Nest 1: mittig geschlossen, vorne und hinten offen

     


    Version C: nach der nur sehr kurz produzierten Zwischenversion B ist man dann zu dieser Version der Verglasung übergegangen. Die Funktionalität lässt sich insbesondere an der kleinen runden Ergänzungsnase an der Seitenlasche erkennen. Diese war nämlich so positioniert, dass sie sich auf die Stege auf dem Radkasten innen abstützte, die mit dem Umbau von Unterteil Version A zu Unterteil Version B eingebracht wurden. Das Dach der Verglasung war nun vollständig verschlossen. Den Kontakt zum Oberteil stellte eine rechteckige Erhebung sicher. Typisch für diese spätere Verglasung: da sie auch für die Blaulichtmodelle herhalten musste, hat sie immer genau dort eine kreisrunde Öffnung, an der das Blaulicht durchgesteckt wurde und dies auch bei den "zivilen" Kombiwagen.

    Verglasung Version C Nest 2: zum Dach vollständig geschlossen

    Verglasung Version C Nest 1: zum Dach vollständig geschlossen



    Version D: sehr interessant ist, dass die nun folgende Verglasungsversion ausschließlich bei den Neuauflagen zu finden ist. Das Unterscheidungsmerkmal zur Version C: während bei der historischen C-Version immer ein Loch im Blaulichtbereich zu finden ist, gibt es nun in der Nest-2-Verglasung 3 Löcher und in der Nest-1-Verglasung kein Loch - auch nicht im Blaulichtbereich. Warum dies so ist, bleibt unklar. Stimmig wäre es anzunehmen, dass die 3-Loch-Verglasung für Modelle mit Dachaufbau gedacht ist, der z.B. beim neuen Feuerwehrmodell (PMS 2012) genau im Bereich der hinteren Löcher durch das Dach gesteckt ist. Nur ragen die Steckstifte unten kaum aus dem Oberteil heraus und grade das vorliegende Modell hat eine Verglasung ohne Löcher .

    Verglasung Version D Nest 2: mit 3 Löchern

    Verglasung Version D Nest 1: völlig ohne Löcher



    Abschließend hier noch Seitansichten der verschiedenen Version, auf denen die Gestaltung der Laschen erkenntlich wird. Hier unterscheiden sich Version C und D nicht.

    Verglasung Version A: kein Seitensteg.

    Verglasung Version B: grader Seitensteg

    Verglasung Version C: Seitensteg hinten mit rundem Fortsatz.

    Verglasung Version D: - wie C.




    c) Oberteil

    Zunächst einmal auch hier wieder: die Form des Oberteils hat 2 Nester, die mit den Ziffern 1 und 2 gekennzeichnet sind.

    Oberteil Nest 1 (hier Polizei - mit Öffnung für Blaulicht)

    Oberteil Nest 2



    Bei den Oberteilen sind 3 verschiedene Ausführungen relevant. Die Unterschiede zwischen einer Version A und einer Version B zeigt sich bei Betrachtung der Beifahrerseite.

    Version A. Man muss schon recht genau hinsehen, um die Unterschiede auszumachen. Relevant ist die Betrachtung des Fensterausschnitts hinter der B-Säule. Es ist bei der ersten Version hübsch an den Ecken ausgerundet, wie auch an den anderen Fenstern. (Bild groß: )


    Version B. Offenbar wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Reparatur der Form notwendig. So gibt es eine kleine Macke in der B-Säule und der Fensterabschluß des sich nach hinten anschließenden Fensters ist im Übergang zur B- und C-Säule eckig. (Bild groß: )


    Version C - Neuauflage. Diese Version sei hier mit aufgeführt, wenn gleich sie sich in diesem Detail nicht von der Version B unterscheidet. (Bild groß: )



    Äußerlich sind Unterschiede zwischen den Modellen aus Nest 1 und Nest 2 kaum auszumachen. So gibt es geringe Unterschiede in der Breite des vorderen Fenstersteges. Die beiden A-Versionen haben eine Stegbreite von 0,7 mm (Nest 1) bzw, 0,8 mm (Nest 2). Wahrscheinlich wurden wegen der Bruchgefahr die dünnen Stege bei der B-Version auf 1,0 mm (Nest 1) bzw. 0,9 mm (Nest 2) erweitert.

    Eine klare Abgrenzung zwischen den historischen Versionen und der Neuauflage ist bei der Betrachtung der hinteren Dachkante möglich. Während die alten Versionen eine hübsche umlaufende Regenrinne haben, gibt es bei den Neuauflagen eine recht amorphe Doppelkontur.

    Oberteil Version 1 Nest 1

    Oberteil Version 1 Nest 2

    Oberteil Version 2 Nest 1

    Oberteil Version 2 Nest 2

     

    Oberteil Version 3 Nest 1: liegt nicht vor.

    Oberteil Version 3 Nest 2: Doppelkontur an hinterer Dachkante.



    Hier sei noch einmal auf den Mittelholm eingegangen. Typisch für die alten Modelle ist, dass dieser Holm gerade aus dem Dach herauswächst. Zum Schluss der Produktion ist es bei Einsatzfahrzeugen, die es bis 1968 gab, zu einer bogenförmigen Verstärkung an der dem Dach zugewandten Seite gekommen. Bei den Neuauflagen findet sich auch dieses Merkmal.

    Version A und B: der Mittelholm verlässt das Dach gerade

    Version C - letzte alte Modelle und Neuauflage: der Mittelholm verlässt das Dach im Bogen.



    Zusammenfassend:

    Das zunächst recht undifferenziert und eher einfach aussehende Modell des VW T1 Kombiwagen mit der kleinen Heckscheibe birgt einige Geheimnisse. Verschiedene Versionen der Unterteile, der Verglasungen und der Oberteile sind auszumachen. Dabei ist die Farbfülle zusätzlich noch erschlagend. Zahlreiche authentische Versionen sind dokumentiert und viele Kombinationen sind fraglich. Anhand der oben dargestellten Analyse sind Schlüsse auf die Plausiblität von Modellen möglich. Da es für weniger charakterfeste Individuen möglich ist, die originalen Verklebungen zu lösen und Modelle nach eigenem Gusto zu kombinieren, kann anhand der vorgetragenen Informationen grob eine Schlüssigkeit von Modellen angegeben werden. So können alte Oberteile mit Verglasungen der Neuauflagen als Fälschungen deklariert werden.

    Seitens der Firma WIKING war es nach Beurteilung der vorliegenden authentischen Modelle vorgesehen, die Oberteile, Unterteile und Verglasungen jeweils aus Nest 1 zusammenzubringen und ebenso entsprechend die Teile aus Nest 2. Ausnahmen sind möglich. So kommt es beispielsweise bei falscher Kombination von Oberteil und Verglasung oft zu Spannungsrissen unter dem Heckfenster.

    Typische Modell Konstellationen sind:

  • Unterteil A1 - Verglasung A1 - typisch
  • Unterteil A2 - Verglasung A2 - typisch
  • Unterteil A1 - Verglasung B1 - selten, da Verglasung B sehr selten
  • Unterteil A2 - Verglasung B2 - selten, da Verglasung B sehr selten
  • Unterteil A1 - Verglasung C1 - selten, da nicht mehr epochengerecht
  • Unterteil A2 - Verglasung C2 - selten, da nicht mehr epochengerecht
  • Unterteil B1 - Verglasung B1 - selten, da Verglasung B sehr selten
  • Unterteil B2 - Verglasung B2 - selten, da Verglasung B sehr selten
  • Unterteil B1 - Verglasung C1 - typisch
  • Unterteil B2 - Verglasung C2 - typisch
  • Unterteil C1 - Verglasung C1 - typisch
  • Unterteil C2 - Verglasung C2 - typisch


  • Und was es bei den alten Modellen nicht gibt:
  • Unterteil B1 - Verglasung A1
  • Unterteil B2 - Verglasung A2


  • Die Neuauflagen spielen eine Sonderrolle: hier gibt es nur Modelle mit Unterteilen mit dem neuen WIKING-Logo, dem Oberteil mit der hinteren Dachkante mit Doppelkontur und verstärktem Mittelholm und mit der Verglasung mit geschlossenem Dach - entweder mit drei Löchern oder ohne Löcher. All diese Komponenten haben an alten Modellen nichts zu suchen. Bei der Untersuchung der Neuauflagen konnte ein Oberteil aus Nest 1 nicht gefunden werden. Eventuell wurde dieses Nest bei der Produktion abgeriegelt.

    Zur Verklebung: die frühen Modelle mit der Verglasung Typ A wurden nur an den Seiten verklebt. Deshalb ist dort werksmäßig gelegentlich Kleberaustritt zu beobachten. Hier gibt es gibt keine Verklebung der Verglasung am Dach. Die Verglasung B hat bereits seitlich Klebelaschen und die rechteckige Erhebung zum Dach hin. Modelle mit dieser Verglasung wurden wie auch die späteren über die Verglasung verklebt: Verglasung ins Dach verkleben und dann die Kombination Dach/Verglasung über die Klebelaschen der Verglasung am Unterteil verkleben (alles klar? ;-)).



    Spezielle Beschreibung der vorgelegten Modelle:

    Untersucht werden hier 2 Modelle, deren Oberteile in lindgrün fast identisch erscheinen.

    Ein Modell hat ein rosé farbenes Unterteil, das Andere ein Unterteil in rot. Beide Modelle wurden in der Rubrik Modellbau > Modellautos > WIKING > PKW > VW eingestellt. Angebots-Texte:

    Modell unten rot:

    Safe Shipping Worldwide-Please ask for Paypal | Sammlungsauflösung seltener Modelle | Wiking 1:87 | Zustand : Sehr Gut !! | Saure 323 Nicht rose aus Fehlproduktion oder Resteverwertung | Volkswagen T1 Bus (31) 1959-1966 | Oberteil lindgrün, Unterteil rot, ohne IE, geteilte Frontscheibe, kleine Heckscheibe, Scheinwerfer + teilweise Stoßstangen + Rückleuchten + hinteres Kennzeichen , Räder einteilig 8 mm mit gewölbter Nabe grau, Unterteil + Chassis ein Formteil, Bodenprägung WM+Made in Germany | Achshalterungen sauber, kein Achsenrost ! | Innen : s.o. | Fehler: ohne | Verpackung :Getrennt verpackt in reichlich Luftpolsterfolie/Versandkarton

    Modell unten rosé:

    alter Wiking VW Bus T1 | Farbe: Dunkel Rose, Hellgrün, Räder Grau. Guter Zustand, leicht bespielt. Keine Risse in den Fensterstreben! Ich stelle nach und nach einige kleine Sammlungen oder Auto's ein - einfach öfter mal nachsehen.

    Tierloser Nichtraucherhaushalt Nach Rücksprache ist auch eine Vorher-Besichtigung möglich. Gerne auch an Selbstabholer. Standort: Düsseldorf.
    (Die letzte Zeile ist sehr spezifisch für den Anbieter und erinnert den aufmerksamen Leser an ein Gutachten zu einem MB L 319).


    Die erste Betrachtung der Farbe des Oberteils lässt im direkten Vergleich mit zwei originalen Raritäten die Aussicht auf ein originales Modell leider gleich auf Null sinken.


    Die Farbe der zu untersuchenden Kombiwagen ist weitaus kräftiger als bei den alten Modellen. Die Haptik, die Oberflächenbeschaffenheit und die Filigranität entsprechen bei genauer Betrachtung den Erwartungen an ein WIKING-Modell. Besonders feine Strukturen wie die Fensterholme und das VW-Emblem sind wunderbar ausgeformt.

    Sehr präzises VW-Emblem bei beiden Oberteilen. Kleberaustritt vorne beim linken Modell.

    Spannungsriss unter dem Heckfenster beim rechten Modell

    Das rote Unterteil hat die gering erhabenen Rückleuchten (Version A). Das rosé farbene Unterteil hat die stark erhabenen Rückleuchten (Version B). Die Vergleichsbilder zeigen, dass das Modell mit dem roten Unterteil gesilberte Stoßstangen und ein gesilbertes hinteres Kennzeichen hat. Das rosé farbene Unterteil zeigt Spuren von ehemals vorhandener Silberung, die nicht rückstandsfrei entfernt wurde.

    Bodenprägung WM und Made in Germany. Da kurze Rückleuchten: Unterteil Version A. Ergänzender Hinweis: hier Nest 1

    Bodenprägung WM und Made in Germany. Da lange Rückleuchten: Unterteil Version B. Ergänzender Hinweis: hier Nest 2

    Bei den Bildern oben kann man gut die Räder beurteilen. Beim Modell links finden sich die alten grauen Räder mit der gewölbten Radkappe, beim rechten Modell die grauen Räder mit flacher Radkappe. Die Vergrößerung lässt beim linken Modell erkennen, dass die Räder getauscht wurden. Überstehende Achsen oder nicht richtig auf die Achse aufgeschobene Räder - das ist nicht WIKING-like.

    Die äußerliche Inaugenscheinnahme zeigt ungewöhnliche Schleifspuren bei beiden Modellen auf dem Dach, beim Modell mit rosé farbenem Unterteil zusätzlich an der hinteren Dachkante.

    Schleifspuren auf dem Dach (Modell unten rot)

    Schleifspuren auf dem Dach (Modell unten rosé)

    Die Oberflächen aller bekannten Modelle sind schön glatt. Die Schleifspuren sind bei den hier vorliegenden Modellen unterschiedlich. Da wurde von Hand gearbeitet. Die Gründe hierfür liegen im Dunkeln.

    Im folgenden sollen Strukturdetails des Oberteils untersucht werden.

    Schon oben gezeigt: Mittelholm der Wiederauflage

    Mittelholm des Modells Unterteil rosé (unten rot: formgleich)

    Die Betrachtung des Mittelholms verblüfft. Zum einen ist die Ausführung so grazil, dass der Gedanke an einen Abguss über eine Nachproduktion im Bastlerkeller in weite Ferne rückt, zum anderen entspricht er präzise in seiner Gestaltung den Neuauflagen aus dem Hause WIKING und den allerletzten Serienmodellen . Wie oben ausgeführt und bebildert, war der Mittelholm bei den historischen zivilen Modellen in der Seitenansicht bis zum Dach etwa gleich stark. Bei den Neuauflagen gibt es eine bogenförmige Verdickung zum Dach.

    So soll nach weiteren, eventuellen gemeinsamen Formmerkmalen der zu untersuchenden Modelle und den Wiederauflagen geschaut werden. Interessant ist die Betrachtung der Beifahrerseite. Hier war für die Oberteile B und C (Neuauflage) ein nach oben eckiges Seitenfenster erkannt worden (s.o.). Die frühen historischen Modelle hatten in der Version A gerundete Fenster - so auch die beiden vorliegenden originalen Busse mit lindgrünem Oberteil. Einen dieser beiden Busse zeigt das Bild rechts .



    Wiederauflage

    Untersuchungsobjekt



    Diese Seitansicht zeigt, dass es sich bei den ~lindgrünen~ Oberteilen um eine Version B oder C handeln muss. Typisch für die Neuauflagen sind, wie oben vorgetragen, amorphe Dachkanten.

    Schon oben gezeigt: hintere Dachkante alte Modelle

    Schon oben gezeigt: hintere Dachkante Wiederauflage

    Hintere Dachkante Modell unten rot

    Hintere Dachkante Modell unten rosé

    Die unteren Bilder zeigen eine präzise Übereinstimmung der Doppelkontur der hinteren Dachkante. Das Modell auf der rechten Seite wurde händisch in diesem Bereich nachgearbeitet. Damit ist es eigentlich schon klar: die ~lindgrünen~ Oberteile stammen aus Original-WIKING-Formen der Neuauflage.

    Für weiteren Erkenntnisgewinn wurde ein Modell zerlegt.







    Spannend ist die Suche nach Mikrospuren in der Oberfläche, um zu erkennen, ob es sich wirklich um Spritzlinge aus der gleichen Form handelt. Zunächst: die Innenfläche des Oberteils entspricht grob visuell tatsächlich der der Neuauflagen. Im Detail findet sich im Bereich des Daches der Wiederauflagen an der Fahrerseite hinten eine typische Schleifspur mit einer kleinen Quermacke. Die historischen Modelle haben alle glatte Innenflächen.

    Wiederauflage Schmalbach

    Wiederauflage Transporter Packung

    Untersuchungsobjekt

    Wiederauflage Auktionshaus Saure

    Damit ist die Sachlage klar durch Indizien bewiesen: die Oberteile stammen aus Originalformen. Es ist nicht möglich, diese Mikrostrukturen durch eine Abformung wiederzugeben.

    Ein weiteres Indiz: im hinteren Heckfenster des einen Modell ~lindgrün~ zeigt sich eine Pressfahne aus Formenverschleiß. Beim Modell Wiederauflage Feuerwehr gibt es präzise die gleiche Struktur .



    Auf weitere Erkenntnisse muss hier nicht weiter eingegangen werden. Es sei erwähnt, dass beim Modell mit rosé-farbenen Unterteil die Verglasung der Wiederauflage Version D1 verklebt war. Innen in der Verglasung zeigen sich Schliffspuren (Sandpapier?). An der Karosserie befanden sich Abbruchspuren der originalen Verglasung. Bei dem Modell mit rotem Unterteil ist die alte Verglasung mit freiem Mittelbereich verklebt. (Version A1). Die hier vorliegenden originalen Modelle mit lindgrünem Oberteil haben übrigens einmal ein A-Unterteil und einmal ein B-Unterteil, A-Oberteile und jeweils die seltenen B-Verglasungen. Verklebt waren die beiden zu untersuchenden Modelle atypisch auch vorne und hinten (sonst nur an den Seiten).


    Retrospektiv ist für das vorgelegte Modell folgende Historie anzunehmen:

    Für die Wiederauflage des Oberteils des alten VW T1 Kombiwagens wurde die entsprechende Form zum Spritzen gegeben. Ohne Autorisierung von WIKING sind Schwarzspritzungen auch der vermeintlichen Farbe lindgrün entstanden und haben auf illegalen Wegen die Produktionsstätte verlassen. Solche aus einer Schwarzproduktion stammenden Rohkarosserien sollten möglichst gewinnbringend vermarktet werden. Hierbei wurde ohne Kenntnis der genauen Farbe - oder mangels der Möglichkeit, die historische Farbe lindgrün zu treffen - eine ähnliche Farbe produziert.

    Bis ins feinste Detail entsprechen die vorgelegten Oberteile des Kombiwagen den Neuauflagen dieses Modells. Beispielhaft seien hier die Kontur des Mittelholms, die hintere Dachkante, die Gussfahnen am Heckfenster und die hintere Dachabschluss genannt. Zwecks Ergänzung zum Komplettmodell wurden historische Modelle zerlegt und dann mit den neu produzierten Oberteilen zusammengefügt.

    Bedauernswerterweise ist die verständliche Reaktion des Sammlers ein Verdruss, der ihn zunehmend Abstand zu seinem Hobby einnehmen lässt - gipfelnd in Sammlungsaufgabe und dem völligen Abwenden vom Thema WIKING. Nicht jeder kann - wie hier geschehen - vor dem Hintergrund von 180 Vergleichsexemplaren - bei jedem Objekt der Begierde eine umfängliche Untersuchung anstellen, ob es ein echtes WIKING-Auto ist oder nicht. Allein die Notwendigkeit, sich derartige Gedanken zu machen zu müssen, ist mehr als kontraproduktiv.

    Die Neuauflagen der alten Modelle sind wunderschön. Hinsichtlich der Fälschungsgefahr werden sie seitens der Sammler kritisch gesehen; zumal überliefert ist, dass Schwarzspritzungen bereits seit Jahrzehnten ein Thema sind. Geänderte Bodenprägungen schaffen zwar Sicherheit - nicht markierte Bauteile öffnen jedoch Fälschern Tür und Tor. So wünschen sich die Sammler einen sensiblen Umgang mit den wertvollen historischen Formen, der solche Irritationen des Sammlermarktes möglichst ausschließt.

    Zusammenfassung:

    Zur Untersuchung gelangten zwei VW T1 Kombiwagen - Oberteil ~lindgrün~. Einmal Unterteilfarbe rot und einmal Unterteilfarbe rosé.

    Nach der oben eingeführten Terminologie sind die Kombinationen wie folgt zu kennzeichnen: Modell mit rotem Unterteil: Oberteil D2 (Neuauflage), Verglasung A1, Unterteil A1. Modell mit Unterteil in rosé: Oberteil D2 (Neuauflage), Verglasung D1, Unterteil B2.

    Es handelt sich in beiden Fällen um eine nicht von WIKING autorisierte Schwarzproduktion des Oberteils in Sonderfarbe (sehr intensives lindgrün), die formidentisch mit der Wiederauflage ist. Diese Bauteile wurden jeweils mit alten Serienteilen kombiniert, um dem Käufer ein wertvolles Modell zu suggerieren.


    kneule, 15.03.2013



    Der Autor dankt den Sammlerkollegen, die die Realisierung dieses Beitrags ermöglicht haben. Besonderer Dank gilt Herrn Timo Gast, der als T1-Experte der Untersuchung beiwohnte.

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