kneule's wiking standards project

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Kurzes pathologisches Gutachten


Vorgelegte Objekte:

HS 100 Betonmischer in ungewöhnlichen Farben: korallenrot/korallenrot und blassbraun/blassbraun.

Vorgeschichte:

Immer wieder tauchen in jüngster Zeit Modelle in ungewöhnlichen Farbkombinationen auf. Hierzu zählt auch der Henschel HS 100 Betonmischer. Beide hier untersuchte Modelle wurden über ein großes Internetauktionshaus verkauft. Hierbei wurde das blassbraune Modell nach Rücknahme letztlich als Umbau deklariert. Beim korallenroten Modell gab es einen solchen Hinweis nicht - lediglich, dass es frei von Replikateilen sei. Es soll untersucht werden, wie die beiden oben abgebildeten Modelle einzustufen sind.

allgemeine Beschreibung der Modelle:

Die verschiedenen produzierten Typen dieses Modells sind besonders durch die differenzierten Untersuchungen von M. Broer belegt ("Ein unscheinbares Meisterwerk - Modell-Varianten des Henschel HS 100", vormals als Download auf www.wikingmania.com und "50 Jahre Henschel HS 100" noch als Download verfügbar: WSN Die Online-Zeitschrift Ausgabe 3 Juli 2009 Seite 16ff beim Wiking-Sammler-Netzwerk). Besonders in der ersten Studie wird herausgearbeitet, dass der Betonmischer sich in der Produktionszeit den Pritschen-LKW anschloss und dass das Chassis beim Betonmischer für die Aufnahme des Aufbaus geändert wurde. Ungewöhnlich nun, dass bei den vorgelegten Modellen sich Teile aus Epochen zusammenfinden, die nicht zusammengehören.

Einordnung in Katalogen:

Im Handbuch von Herrn Saure wird das Modell unter der Nummer 1121/1 gelistet. Als Varianten gibt es hier:

  • ../A Kabine und Chassis rot, Trommel hellbeige, Aufbau hellgelbgrau
  • ../B Kabine und Chassis rot, Trommel hellgelbgrau, Aufbau hellbeige
  • ../C Kabine und Chassis blassbraun, Trommel hellgelbgrau, Aufbau hellgelbgrau

    Im Neuen Gelben Katalog findet sich das Modell unter Nr. 532/9. Die Kabine und das Chassis sind mit rot angegeben. Es gibt dort diese Varianten:
  • ../A Aufbau h'grünbeige, Trommel h'beige
  • ../B Aufbau h'beige, Trommel h'grünbeige
  • ../C Aufbau rotelfenbein, Trommel h'beige
  • ../D Aufbau h'beige, Trommel rotelfenbeinh'beige

    In beiden Katalogen wird die Produktionszeit als 1967 bis 1968 angegeben.

    Beschreibung der Standardmodelle:

    a) Pritschen-LKW

    Nur bei den späten Versionen des HS 100 - Pritsche und auch Betonmischer - finden sich an der Rückseite der Kabine zwei halbzylindrische Erhebungen, die von der Unterkante sich ca. 2 mm hochziehen (Außenabstand ca. 8 mm). An dieser Stelle ist mit reichlich Kleber zu rechnen.

    Erhebungen an der Pritschenrückwand

    Erhebungen an der Pritschenrückwand (hier Krombacher - identisch)



    Beim letzten Pritschenmodell lag die Pritsche an 4 Querstreben auf dem Chassis auf. Die erste liegt unmittelbar hinter dem Fahrerhaus, die zweite etwa in der Mitte zwischen der ersten und dem hinteren Kotflügel. Anders als bei den frühen Chassisvarianten gibt es eine dritte Querstrebe genau mittig zwischen den Kotflügeln. Diese Querstrebe ragt bis zur Oberkante der Kotflügel. Die Kotflügel belassen einen Zwischenraum von ca. 8,5mm - dies ist dann die Breite des 3. Steges. Die vierte Querstrebe hinter den Kotflügeln letztlich ist basal ca. 1,4 mm breit und ca. 1,8 mm hoch. Mittig liegt eine ca. 2,5 mm breite Zentrier-Erhebung für die Pritsche. Verklebt war die Pritsche zumindest immer am 2. Steg.


    1. und 2. Querstrebe. 2. Strebe immer Kleber - besonders an der Hinterkante.

    4. Querstrebe schmal - ca. 1,4 mm



    1. und 2. Querstrebe. 2. Strebe immer Kleber - besonders an der Hinterkante.

    3. und 4. Querstrebe. 3 Strebe so hoch wie die Kotflügel, 4. Strebe mit Zentrier-Erhebung



    b) Betonmischer

    Beim Betonmischerchassis sind die erste und zweite Strebe genau wie beim Pritschenchassis gestaltet.

    Spannend ist zunächst der kaum einsehbare Bereich des Kotflügels von oben. Der Betonmischeraufbau hat an der Unterseite im Bereich der Kotflügel zwei in Fahrtrichtung ausgerichtete Streben mit einem Außenabstand von ca. 9,5 mm. Legt man nun den Betonmischeraufbau auf das LKW-Chassis, kommt es zu der an anderem Orte von einem Kenner der Materie bereits sehr präzise beschriebenen bananenförmigen Durchwölbung des Aufbaues, wenn man ihn bis zur 4. Strebe hinten herunter bringen will: der Aufbau reitet hier auf dem Steg und auf den Innenkanten der Kotflügel. So wurde das Chassis für den Betonmischer hier von WIKING verändert: um das Maß um ca. 0,7 mm wurde die 3. Strebe auf einer Breite von ca. 10 mm bis in die Kotflügel hinein abgesenkt. In diese Einsenkung konnte sich so der Aufbau einlagern.

    Foto der hier identischen Neuauflage:
    Einsenkung der 3. Querstrebe um 0,7 mm - auch in die Kotflügel

    Foto der hier identischen Neuauflage:
    dito - es zeigt sich eine präzise herausgearbeitete Doppel-T Form. Vergleiche Bild oben Pritschen LKW



    Um nach hinten dem Aufbau einen sicheren Halt zugeben, wurde die 4. Strebe nach vorne auf 3,2 mm verbreitert. Der vordere Teil dieser verbreiterten Querstrebe wurde etwas höher (ca. 1 mm) gestaltet und greift genau die Hinterkante einer Aussparung im Aufbau und gibt diesem Halt (Verklebung nur an der Hinterkante dieser Aussparung). Im Zuge dessen verkleinerte sich die vormals 6 mm mal 5 mm große Aussparung im Chassis auf ca. 5 mm mal 5 mm.



    Die zweite Querstrebe ist beim Betonmischer funktionslos. Deshalb gibt es hier NIEMALS Klebespuren. Verklebt wurde ausschließlich an der ersten und an der vierten Querstrebe - d.h. auch am Kotflügel wurde nicht geklebt.

    Die Trommel ist meist unverklebt und lässt sich durch leichtes Wackeln meist herauslösen.

    Man beachte die unversehrte Auswerfermarkierung auf der Mitte des Steges.



    Die Bilder unten zeigen noch einmal die verschieden großen Öffnungen am Chassis. Links die große Öffnung beim Pritschen-LKW, rechts die kleine nach der Änderung des Chassis für den Betonmischer.





    Spezielle Beschreibung der vorgelegten Modelle:


    Ungewöhnlich an beiden zu untersuchenden Modellen ist die Farbkombination. Beim ersten Modell ist die Kabine und das Chassis in korallenrot gehalten. Diese Farben finden sich sonst nur bei den Pritschenwagen und hierbei nur im Farbwechsel mit blassbraun. Das Chassis ist in Form und Farbe nur bei der letzten Version des Pritschenwagens bekannt. Charakteristisch ist für das Betonwagenchassis der 3,2 mm breite hintere Haltesteg. Beim vorgelegten Modell findet sich der nur ca. 1,4 mm breite Steg wie beim Pritschenwagen. Beim korallenroten Modell sind die Blinker rot und das vordere Kennzeichen silber bemalt. Beim zweiten Modell sind Kabine und Chassis in blassbraun gehalten. Auch diese Kombination ist sonst nicht anzutreffen. Ebenso ist hier das sonst nur beim Pritschen-LKW zufindende Chassis verbaut. Die Aufbauten sind identisch - wie bei Serienfahrzeugen zu finden: Trommeln hellgelbgrau, Aufbauten hellbeige.

    Die Betrachtung der Unterseite des Aufbaues zeigt in der rechteckigen Aussparung bei beiden Modellen einen großen getrockneten Klebersee. Hier dürfte nur an der Hinterseite dieses Rechteckes Kleber sein.

    Korallenrotes Modell: LKW-Chassis mit schmaler 4. Strebe. Klebersee in Rechteck.

    Blassbraunes Modell: LKW-Chassis mit schmaler 4. Strebe. Klebersee in Rechteck.



    Korallenrotes Modell: große Chassisöffnung, rote Kleberreste im hinteren Rechteck des Aufbaus räumlich getrennt vom vorhandenen Steg.

    Blassbraunes Modell: große Chassisöffnung, asymmetrische Verklebung - normalerweise micht möglich, da der Aufbau durch die Einsenkung im Kotflügelbereich genau zentriert ist.



    Korallenrotes Modell: Blinker rot bemalt (sonst nicht beim Betonmischer).

    Blassbraunes Modell: roter Hobelspan unter Fahrertürgriff.



    Zur weiteren Untersuchung wurden die fraglichen Klebestellen der Modelle kurzzeitig mit LUX behandelt und die sonst sehr festsitzenden Aufbauten problemfrei abgenommen (Gesamtbehandlungsdauer ca. 30 sec).


    Für beide Modelle zeigten sich identische Auffälligkeiten:

    Kabinenrückwände:

    halbzylindrische Erhebungen teilweise weggefräst (normal: vorhanden)

    Korallenrotes Modell: halbzylindrische Erhebungen recht großzügig weggefräst (vergleiche Fotos Original oben)

    Blassbraunes Modell: halbzylindrische Erhebungen weggefräst (vergleiche Fotos Original oben)



    Chassis:

  • 2. Strebe nachgearbeitet und mit Kleberberg gerundet (normal: völlig unberührt)

    Korallenrotes Modell: die zweite Strebe ist sehr elegant zwecks Kaschieren gelöster Klebeverbindungen mit einem Klebersee geglättet (vergleiche Foto Original oben: immer mit Auswerfermarkierung)

    Blassbraunes Modell: die zweite Strebe ist weniger elegant zwecks Kaschieren gelöster Klebeverbindungen mit einem Klebersee geglättet (vergleiche Foto Original oben: immer mit Auswerfermarkierung)



  • Im Bereich der Kotflügel Mittelsteg bis in die Kotflügel leicht asymmetrisch abgesenkt (anders als beim Originalchassis ausgeführt)
  • kräftig Klebespuren im Bereich des Mittelsteges (normal: kein Kleber)
  • mittlere Erhebung auf dem 4. Steg entfernt

    Korallenrotes Modell: Strebe zwischen Kotflügeln gekürzt. Kotflügel innen nachgearbeitet. Klebespuren. Zentriersteg an der 4. Strebe entfernt (vergleiche Foto Original oben: originale Einsenkung viel präziser)

    Blassbraunes Modell: Strebe zwischen Kotflügeln gekürzt. Kotflügel innen nachgearbeitet. Klebespuren. Zentriersteg an der 4. Strebe entfernt (vergleiche Foto Original oben: originale Einsenkung viel präziser)



    Aufbau:

  • ausgeprägter getrockneter Klebersee in hinterer rechteckiger Aussparung (normal: nur minimal Kleber an der rückwärtigen Kante)

    Korallenrotes Modell: getrockneter Klebersee in hinterer rechteckiger Aussparung des Aufbaus zwecks Kaschierung entfernter Kleberreste

    Blassbraunes Modell: getrockneter Klebersee in hinterer rechteckiger Aussparung des Aufbaus zwecks Kaschierung entfernter Kleberreste


  • starker Kleberauftrag im Bereich der Stecklasche des Aufbaues (normal: kein Kleber oder wenn, nur von oben eingebracht).

    Korallenrotes Modell: getrockneter Klebersee in hinterer rechteckiger Aussparung des Aufbaus zwecks Kaschierung entfernter Kleberreste. Nach vorne ist der Kleber übergelaufen. Starker Kleberauftrag auf Stecklasche der Trommel. Kleber Richtung Kotflügel

    Blassbraunes Modell: starker Kleberauftrag auf Stecklasche der Trommel. Kleber Richtung Kotflügel


    Retrospektiv ist für die vorgelegten Modelle folgende Historie anzunehmen:

    Um spektakuläre Modelle in nicht bekannten Farben anbieten zu können, wurden bei Modellen des Henschel HS 100 Prischen-LKW die Kabinen getauscht (frei von sichtbaren Spuren) um zunächst einfarbige Kabinen/Chassiskombinationen zu erhalten. Um Klebereste der Kabine an der Kabinenrückwand zu entfernen mussten die halbzylindrischen Erhebungen entfernt werden. Die zweite Strebe wurde um die Klebeläsion schräg eingekürzt und dick mit Kleber beschickt, um eine möglichst glatte Oberfläche zu erhalten. Im Bereich der 3. Strebe wurde mit großem Geschick Material abgetragen, ohne dabei die Kotflügel nach innen zu perforieren. An der hintersten Strebe wurde noch die Zentriernase entfernt. Nun konnte der Aufbau aufbracht werden. Hier waren zuvor Klebereste von der Vormontage auf dem Originalmodell zu beseitigen. Dies war besonders an der hinteren Verklebung schwierig und wurde mit einem Klebersee in der hinteren Aussparung kaschiert. Der Trommel wurde von unten massiv verklebt, um ein Abnehmen zu verhindern. Dieses hätte den entlarvenden Blick auf die bearbeitete zweite Strebe freigegeben. Denn für diese Bastelei ist der Blick von oben auf diese zweite Strebe ein sehr sicheres Indiz: hier muss noch die Prägung des Auswerfers zu sehen sein.

    Bedauerlicherweise ist wie in diesem Fall nicht immer eine zerstörungsfreie Untersuchung der Objekte möglich, um aufkommende Zweifel an der Authentizität oft ins Hochpreissegment zielender Exoten abschließend zu beseitigen oder zu bestätigen. In diesem Fall war die Kombination zwischen LKW-Chassis und Betonmischeraufbau bereits hochskurril, so dass Zweifel an solchen Zusammenstellungen mehr als angebracht sind. Es spricht für die Unerschrockenheit des Anbieters, ein solches Modell als original zu suggerieren.

    Kritische Würdigung (Epikrise):

    Zur Untersuchung gelangten zwei Henschel HS 100 Betonmischer, die durch Serienteile in nicht bekannter Kombination auffielen. Die Modelle sollten hinsichtlich ihrer Authentizität beurteilt werden.

    HS 100 Betonmischer Kabine und Chassis korallenrot, Aufbau hellelfenbein, Trommel hellgelbgrau, und HS 100 Betonmischer Kabine und Chassis blassbraun, Aufbauten wie beim anderen Modell. Beide Modelle mit Chassis des Pritschen-LKW.

    Nach Entfernung des Aufbaus sehr deutliche und an beiden Modellen präzise die gleichen Bastelspuren an der Kabinenrückseite, am Chassis und am Aufbau.

    Es handelt sich bei beiden Modellen um Umbauten aus Serienteilen - vermutlich aus einer Hand.



    kneule, 09.03.2010



    Betonmischer - Original und Fälschung


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